Zur Ausstellung Galerie Linzergasse Weihergut
 

Bilder ganz schön verwickelt

In den künstlerischen Arbeiten des Salzburgers Christian Ecker geht es kontinuierlich um Begriffe wie Wickeln, Ummanteln, Verflechten.

Gudrun Weinzierl

 

Christian Eckers Ausstellung „Wicklungen, Porträts und Zeitspuren“ in der Galerie Linzergasse-Weihergut ist eine Retrospektive über die Arbeit der vergangenen 15 Jahre. Der Umgang mit der Linie und dem Linearen, ob in der Malerei oder im Prozess des Umwickelns bei Objekten, ist mir immer wichtiger geworden, auch noch nicht erschöpft oder befriedigend gelöst“, sagt Ecker, der gelernter Lithograf und ein Autoditakt in der Malerei ist. Sein Schlüsselerlebnis zu den ersten „Wicklungen“ - Hölzer, die mit Hanf- oder Drahtseilen umwickelt und beispielsweise „Stele“ genannt wurden – hatte Ecker in Budapest 1995. Während eines Atelieraufenthaltes entdeckte er eine Seilerei. Der Anblick der gleichmäßig aufgerollten Seile in den unterschiedlichen Stärken und Farben, ihr geordnetes Erscheinungsbild, hinter dem ein Arbeitsprozess von monotoner Tätigkeit steckt, faszinierte und inspirierte ihn. Eckers Arbeiten richten sich an Erlebnissen aus: „Gesehenes, Gehörtes, ein Text, ein Gesicht, der Titel eines Bildes – was mich nachhaltig beschäftigt und nicht loslässt – bringe ich in die Bilder ein“. Eine Frau mit Schildkröte auf dem Kopf ist für Ecker nicht etwa ein Zeichen mittels dieses symbolbelandenen Tieres auf Weisheit oder Unsterblichkeit hinzuweisen, sondern liegt einem konkreten Erlebnis zugrunde: Ecker entdeckte auf der Insel Zakynthos einen Strand, der nicht betreten werden durfte, weil an ihm Schildkröten ihre Eier ablegten. Bei Joseph Beuys begegnete ihm später die Zeichnung „Cynthia mit Schildkröte“. Thematik und Titel wurden von Ecker übernommen. Neben Bildern mit Porträts von Van Gogh, Joseph Beuys, Andy Warhol oder Lenny Kravitz – die immer auch Linien, gemalte Schnüre, Seilbündel am oder in der Nähe des Kopfes aufweisen, gibt es die vielen „namenlosen“ Porträts, neutrale Gesichter, die Ecker am liebsten androgyn erscheinen lassen möchte. Jede Arbeit vermittelt Statuarik, einen zum Stillstand gebrachten Prozess der Verlangsamung und Vertiefung. Wortlosigkeit ist ein anderes Merkmal seiner Porträts, seine Köpfe bleiben bei sich, in ihre Gedankenwelt ist nicht einzutauchen und das obwohl sie ihre Gedankenströme wie Turbane außen am Kopf tragen. Sie tragen sozusagen ihre Gedanken zur Schau – vielleicht sind es auch die Gedanken, die ihnen Ecker zuteil werden lässt. Aber andererseits verbergen sie ebenso: Hinter ihren umwickelten Köpfen steckt eine Erfahrungswelt, die dem Betrachter rein gar nichts suggeriert. Ecker will nicht auf mögliche Inhalte, auf den Kern der Dinge verweisen, sondern auf das prozesshafte Durchführen und Voranschreiten einer Tätigkeit sowie der Zeit. Allein durch das Wort „wickeln“ wird im Betrachter die Phantasie wach. Seit Jahrtausenden werden dieWickelkinder in Bänder und Tücher eingebunden, auch der Mumie wird durch das Wickeln eine dauerhafte Form verliehen. Eingewickeltes, Ummanteltes soll geschützt werden. Es verwehrt den Zugriff des Blicks und weckt den Wunsch nach dem Verborgenen. Durch eine Wicklung geht der Kern und auch die Form eines Gegenstandes nicht verloren. Eine Wicklung ist wie ein Lieblingskleidungsstück für einen Menschen – sie entspricht im Empfinden Christian Eckers einer „zweiten Haut“.

Die Ausstellung ist bis 5. März 2011 zu sehen. Geöffnet jeweils Di - Fr 11.00 - 18.00 Uhr und Sa 10.00 - 16.00 Uhr.








Joseph Beuys mit Wicklung
Joseph Beuys mit Wicklung
Zu den Datumsbildern von Christian Ecker
3 11 2009  Acryl LW 70x70cm
3 11 2009 Acryl LW 70x70cm
Wicklung Seil, Acryl 50x50cm
Wicklung Seil, Acryl 50x50cm
 
Antlitze der Zeit
Unter dem Titel „Thumegger Bezirk 9“, der auf den Atelierstandort unter der gleichen Adresse der beiden ausstellenden Salzburger Künstler Christian Ecker und Michael Sobotka verweist, nimmt das Kunsthaus Deutschvilla in Strobl auch an der „Langen Nacht der Museen“ am 2. Oktober teil. Formal wie auch thematisch stehen die neuen „Datumsbilder“ Christian Eckers in Zusammenhang mit den früher entstandenen „Wicklungen“, von denen in der Deutschvilla ebenfalls einige gezeigt werden. In den 90er Jahren schuf Ecker „Wicklungen“ – in ihrer äußeren Struktur gleichförmige, streng geordnete Objekte und Bilder, die den manuellen Vorgang des Ummantelns und Umwickelns thematisierten. Als Trägermaterial wurden beispielsweise Bretter oder andere Holzstücke verwendet, die der Künstler mit Kabeln, Schnüren, Seilen, Drähten im gleichförmigen Arbeitsprozess einkleidete. Ein Aspekt des damaligen Arbeitens war der meditative Moment, der durch die Wiederholung der gleichen Handbewegung und durch das exakte Aneinanderreihen und Aneinanderlegen des Wicklungsmaterials zu einem scheinbar dauerhaften, fortwährenden Prozess wurde, der endlos fortgeführt werden und so aus der Vergänglichkeit unseres Zeitempfindens herausgelöst werden könnte. In den „Datumsbildern“ geht es um Gegenteiliges: Zahlen, Ziffern vermitteln Exaktheit, Faßbarkeit, klare Abgrenzung. Zeitanzeige und Datumsanzeige schreiben den Moment fest, der, vergänglich und unwiederbringlich, in den „Fluss der Zeit“, in die fortdauernde Abfolge von Momenten eingeht. Ecker hat mit seinen „Datumsbildern“ jeweils das Bild eines Tages geschaffen, indem er ein fotografiertes Datum in den Computer einspeicherte, das Lineament der einzelnen Ziffern veränderte und überlagerte, die Konturen verschob. Der Umsetzungsprozess an einem Datumsbild dauert bis zu drei Tage, das Fortschreiten der Arbeit macht aus dem erfassten Datum ein Dokument der Vergangenheit. Sichtbar werden Ausschnitte und Fragmente der Ziffernkonfiguration eines bestimmten Tages. Die mit Lasur gemalten Linien, Schlingen und Schleifen lassen sich mit durchscheinenden Schläuchen assoziieren, in denen sich die Zeit materialisiert und abgelagert hat.
Gudrun Weinzierl

 

 

Margit Zuckriegl

Zeichen der Zeit

Zu den Datumsbildern von Christian Ecker

 

Nirgends ist das Momenthafte der Existenz so eindeutig abzulesen wie an den Tagesdaten der Kalenderblätter, nichts ist so schnell obsolet und zu Makulatur geworden wie die Zahlenkombination, die noch gestern für das Heute gestanden ist. Und nichts ist so sehr Zeichen einer hastenden, sich überschlagenden Zeit wie die Anzeigetafeln auf Flughäfen mit ihren Abflugdaten, die Sekunden nach dem Abheben gelöscht sind, der Platz eingenommen von der nächsten Linie, dem übernächsten Zielort, der folgenden Gate-Nummer. Aktienkurse rasen über die riesigen Displays in den Börsefoyers, Symptom und Gradmesser einer globalen Berg-und Talfahrt von Werten jenseits einer rational überprüfbaren Entsprechung in der Wirklichkeit.

In der Bankenmetropole und dem Verkehrskontenpunkt Frankfurt gelangte der Maler und Objektkünstler Christian Ecker in das Dickicht der verschlungen Zahlenkolonnen und auf den Highway der rastlos einander ablösenden Datenkombinationen. Er war im Mai und Juni 2009 als Stipendiat der Stadt Frankfurt in einem Atelierhaus mit anderen Künstlern zu Gast und fühlte dem Puls der kommerzorientierten Großstadt nach, die zwischen den Euphorien des Handelsparketts und dem Elend am Bahnhofsvorplatz, zwischen den Traumata der Wirtschaftskrise und den Protesten der HarzIV-Empfänger von einem Extrem ins anderen taumelt. Die Zahlenreihen der Statistiken, die Ziffern der Tabellen sind Chiffren für etwas, das nicht einfach zu sagen, aber drastisch zu beweisen ist. Sie zu lesen, sie aufzudröseln, sie zu interpretieren bedeutet einen Weg zu nehmen, der vom Lesen zum Verstehen geht, vom Kognitiven zum Emotionalen, vom Wahrnehmen zum Fühlen: wieviele Arbeitslose waren es gestern, wie greifen Sozialprogramme für morgen, welche Kurse stürzten wie tief ab, welche Schuldenberge werden täglich angehäuft, wie sehr vergrößert sich der CO2-Ausstoß pro Jahr, und was bedeutet ein Tag, eine Uhrzeit, eine Sekunde – unendlich viel und gleichzeitig etwas, das stetig gegen Null tendiert.

Das Fühlbare der Dauer und das Fassbare des Vergehens liegt in der Beschäftigung mit den Datumsbezeichnungen inhärent beschlossen. Künstler wie On Kawara oder Hanne Darboven haben daraus ihre puristischen Konzept entwickelt: das eigene Leben als Metronom der künstlerischen Praxis. Die Date Paintings von On Kawara werden Tag für Tag angefertigt und bestehen aus nichts als der unendlich fortgesetzten Reihe der Zahlen, die das Datum des jeweiligen Tages ergibt. In der Schreibzeit formuliert Hanne Darboven ihre eigene Geschichte als Folge von Zahlencodierungen- und systemen, die den Fluss der Zeit und das Phänomen der Zeitlichkeit in einfachster Weise thematisieren: als normierte Reihe von Ziffernkombinationen.

Die Datumsbilder von Christian Ecker, die er nach seinem Frankfurt-Aufenthalt seit Sommer 2009 weiterentwickelt, gehen von einer weniger existenziellen als von einer medialen Qualität der Zahlen aus. Jenseits jeder Magie oder Mystik sind die Zahlen von 0 bis 9 die Grundmaterie seiner Bildkompositionen. Jedes Bild setzt sich aus nicht mehr als diesen Kombinationen zusammen: jedes Datum ist nur in einer einzigen Konstellation gültig und verweist in dieser Singularität auf das Unverwechselbare, Bleibende, Individuelle eines einzigen Tages. Gleichzeit ist das Datum Ausdruck der schnellen Abfolge von ähnlichen, nur gering abweichenden Entitäten: Module als Stereotype auf dem Weg, der Zeit ein Gesicht abzuringen.

Christian Ecker spielt mit diesen Charakteristika der Zeiterfassung und –anschauung. Er vergrößert das Datum eines einzigen Tages – jedes Bild ist das Antlitz eines ganz bestimmten Tages – er verändert das Lineament, verschiebt die Konturen, liest ein fotografiertes Datum in den Computer ein, variiert es und überlagert es – bis zu 3 Tage dauert der Umsetzungsprozess an einem Datumsbild - bis es im Fortschreiten der Arbeit zu einem Dokument der Vergangenheit geworden ist – der gestrige Tag als das Bekenntnis zum Morgen.

Die Datumsbilder von Christian Ecker sind am Übergang vom Lesbaren zum Schaubaren zu orten. Sie sind weniger Piktogramm als Lineament, sie sind mehr Ornament als Konzept. Ihren Schlingen und Schleifen eignet etwas, das man mehr dem Bereich des Objekthaften zuordnet: wie Schläuche sind sie gleichsam durchsichtig und materiell wiedergegeben, verfügen über Schatten und inneres Volumen. Sie sind nicht ausgeschnittene Bänder oder flache Typographien aus dem Satzstudio, sie sind in ihrer Farbigkeit und Konturiertheit wie Erinnerungen an szenische Sequenzen, wie Relikte aus einem Ambiente, das sich aus materialisierten Zahlen zusammensetzt: Datumsanzeige auf der Normaluhr, Klappziffern in den Anzeigekästen am U-Bahnsteig, rasend schnell flatternder Zahlenwechsel der Notenbanken, das Flackern der Zählwerke am Times Square. Auf diese Vorgänge, die immer mit dem Veränderlichen und Veränderbaren der jeweiligen Zahlenkombination zu tun haben, bezieht sich der Künstler in seiner Malerei. Die Bilder sind nicht bloß ausschnitthafte Fragmente von beliebigen Zahlenfigurationen; sie sind Projektionen, die aus Überlagerungen und Überschneidungen entstehen, die in diesem Changieren eine Art von Räumlichkeit aufbauen und die sich vor einem planen, neutralen Hintergrund entwickeln und darstellen. Die Bilder vom Datum eines jeweiligen Tages sind gleichzeitig Appelle an das Innehalten, an das Festhalten von Zeit und an das Vertrauen auf die unendliche Flexibilität im Wahrnehmen von Dingen und Vorgängen.




3 1 2010 Acryl/LW 150x120cm
3 1 2010 Acryl/LW 150x120cm
Zur Ausstellung Galerie Eboran
Christian Ecker. Weltenbummler und Wicklungen. Malerei & Objekte Im Oeuvre des Salzburger Künstlers Christian Ecker findet man zwei Prämissen: die menschliche Figur und konzeptuelle Materialobjekte. Diese tauchen in unterschiedlichen Werkphasen immer wieder auf, ziehen sich wie ein roter Faden durch sein Schaffen.Insbesondere seine abstrakten Objekte, er nennt sie Wicklungen, waren in den letzten Jahren nicht nur als Wandobjekte präsent, sondern auch im Rahmen von Arbeiten im öffentlichen Raum. Seit der Realisierung eines Projektes in Hellbrunn im Jahr 2004, in welchem er die im Park des Schlosses Hellbrunn befindlichen Obelisken, Einhörner und Götterstatuen mit Stoffen umwickelt hatte, verschränkt er beide Themenbereiche. Die jüngsten, aus dieser Beschäftigung hervorgegangenen Arbeiten, sind nun in der Galerie Eboran zu sehen: die Weltenbummler.Schemenhaft, in grafisch-linearen Elementen aufgelöste menschliche Schattenbilder erscheinen im Zentrum der neuen Gemälde. Ihre Haltung, ihre Anonymisierung, die Flächigkeit der Umsetzung ihrer Gestalt verleihen ihnen eine Vielzahl an Assoziationen, Identifizierungen. Es sind abstrahierte Gestalten, entstanden aus der Verschränkung von „gefundenen“, vom Künstler fotografierten Personen in Museen, Biennale-Parks oder Sportstätten, deren Silhouetten sich durch eine nicht fassbare Umwicklung in Linienmuster auflösen. Wie zum Schutz werden sie von ovalen Flächen umfangen, die teils in mehreren Schichten aus den Bildachsen gerückt übereinander liegen. Einerseits ergibt sich aus den flächig-grafischen Elementen ein Neben- und Hintereinander unterschiedlicher Ebenen, andererseits eröffnen sie den menschlichen Gestalten in ihrem Zentrum durch ihre gräuliche Monochromie einen unendlichen Raum, der gleichzeitig Rückzugsmöglichkeit wie Öffnung nach außen sein kann. Christian Eckers Gemälde sind eine Verschränkung von Figur und Abstraktion, Ebene und Raum, Linie und Fläche. Seine Weltenbummler sind nicht nur irdische Wandler, sondern Nomaden in Zeit und Raum.Den Galerieraum tangierend, berührend verhalten sich auch die auf der Methode der Wicklungen basierenden, abstrakten Arbeiten von Christian Ecker. Im Gegensatz zu den dreidimensionalen, mit Draht, Seil, Stoffen oder dergleichen umwickelten Leinwänden und Objekten, scheinen die Wandarbeiten … … auf sich konvex in den Galerieraum wölbenden Glashauben eher plan, flächig. Die räumliche Wirkung entsteht durch die Farbigkeit der verwendeten Klebebänder, die imaginäre Komplettierung der runden Form zu einer Kugel hinter der Wand. Obschon nicht ursprünglich intendiert, erinnern sie an sich zu Knäuel und Bällen formende Fäden, Leinen, Schnüre oder Schläuche. Es ist die ornamenthafte Verschränkung der Linien, die Christian Ecker schon seit Mitte der 1990er Jahre an Garn-, Seil- oder Drahtspulen fasziniert hat. Er greift dabei die seit der Antike gebräuchliche und kompositionell herausfordernde Form des Tondo auf, welches er in seinen jüngsten Arbeiten auch mit der menschlichen Figur konfrontiert. Es sind aus Klebebändern entstandene Schemen, welche durch die Anbringung hinter dem milchigen Glas der Hauben weiche Konturen und einen pastelligen Farbton erhalten.Christian Eckers arbeiten spielen nicht nur mit Materialien und Effektmöglichkeiten, sondern sind auch Springer zwischen signifiant und signifié, Gratwanderer zwischen Figuration und Abstraktion.

Mag. Tina Teufel

Wandinstallation Wicklung
Wandinstallation Wicklung
Wandinstallation Wicklung
Wandinstallation Wicklung
Wandinstallation Wicklung
Wandinstallation Wicklung
Kunstschauplatz Salzburg
Christian Ecker geboren 1961 in Salzburg, lebt und arbeitet hier. Von freier gestisch bestimmter Malerei findet der Künstler in den neunziger Jahren zu stringenten, geradezu radikalen Gestaltungsprinzipien in Bild und Objekt. In den „Wicklungen“ mit verschiedenen Materialien spielt das Moment der verfremdenden Verhüllung ebenso eine Rolle wie der Reiz der möglichen Entblößung eines noch unbekannten Gegenstandes. Fand das exotikversessene 18.Jahrhundert Vergnügen an der Aufrollung von Mumien, so kehrt die Lust an der spielerischen Lüftung eines Geheimnisses gelegentlich in der Moderne wieder. Eckers zwischen Strenge und Unbekümmertheit schwebende Bildobjekte sowie die aus der Banalität ins Rätselvolle „geschnürten“ Skulpturen markieren ironisch die Schnittstelle zwischen Mythos und Dingrealität. In ähnlicher Weise Doppelgesichtig sind die in einem überaus glatten Realismus gemalten Büsten und Köpfe mit fantastisch „gewickelten“ Bedeckungen und Bekrönungen. Der Verzicht auf jede psychologische Öffnung und die formale und wie farblicher Stilisierung rücken diese Bildnisse in die Nähe antiker Kultbilder. Zugleich entsprechen diese Gesichter ultramodernen, anonymisierten Schönheitsvorstellungen. Dr. Anton Gugg  aus dem Lexikon “Kunstschauplatz Salzburg“
Lenny mit Wicklung
Lenny mit Wicklung
Genuegsamkeits Artist
Auf ganz andere Art spürt Christian Ecker den phänomenologischenRätseln von Farbe und Material nach. Was ist echter Farbkörper, wasist gefärbt. Was ist noch Bild, was bereits Objekt. Was istenigmatische Erscheinung an der Wand, im Raum. Was gibt sich alsgemacht, als Produkt bestimmter Handgriffe, bestimmterVerfahrensweisen zu erkennen, was ist minimalistisches Formwunder,was durchschaubare Konstruktion. Diese Fragen stellen dieschraffierten Flächen, die Dingumwicklungen eines Malers undObjektkünstlers, der inzwischen in der Monochromie, im schlichtenGegenstand genug Spannungen vorfindet und ein einfach-raffiniertes,raffiniert-einfaches Spiel von Stofflichkeiten, Überschneidungen undDurchbrechungen, rhythmischer Ordnungen entfaltet. Christian Eckerist der Minimalist, der Genügsamkeits-Artist dieser Ausstellung, wasjedoch nicht besagen soll, daß seine Gebilde ärmer wären als die deranderen. Sie sind nur anders - auf ihre karge, überlegte, rationaleWeise aufregend.

Dr. Anton Gugg

Wicklung
Wicklung
Galerie?Klose?Wuerzburg
Wicklung
Wicklung
Wicklung
Wicklung
Christian Ecker Der Maler und Objektkünstler Christian Ecker, 1961 in Salz­burg geboren und dort aufgewachsen, gehört zu den Künstlern, die von Kindheit an durch besonders intensive Beschäftigung mit Malen und Zeichnen auffallen. Er selbst war sich seit frühester Jugend darüber im klaren, später einen gestalterischen Beruf ausüben zu wollen. Der Einstieg dazu war eine Lehre als Lithograph, einen Beruf den er dann bis 1990 ausübte. Während er sich gleichzeitig autodidaktisch und im Austausch mit Malerkollegen weiter­bildete. Schon damals nahm er an Ausstellungen teil, heute ist er in Österreich, in Europa aber auch im nichteuro­päischen Ausland in Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen. Er war Preisträger verschiedener Wettbewerbe und wurde zu Studienaufenthalten als Stipendiat eingeladen. Ecker kommt von der gestischen Malerei her: immer wieder waren es Landschaften, die er in neoexpressionistischer Manier darstellte. Diese Gestaltungsweise wandelte sich im Laufe der Jahre zu einem ruhigeren Duktus, die Komposition wurde flächiger, gebrochene Farbtöne und eine Tendenz zu monochromem Auftrag stellte sich ein.Schließlich bemalte er mit Jute bespannte flache Holzkästen mit kräftig geschichteter Acryl- oder Ölfarbe und ritzte maschinell Furchen in diese Farbkruste. Schon hier wird sein Interesse an allem Linearem deutlich.Bei einem Studienaufenthalt 1995 in Budapest hatte er auf einem Spaziergang durch die Stadt die entscheidende Begegnung: er sah eine Seilerei, ein Handwerk, das inzwischen fast aus­gestorben ist, sah die sauber gewickelten Ballen aus ver­schiedenen Seilen und Schnüren und hätte sie am liebsten sofort gekauft und wie einst Marcel Duchamp seine Readymades, auf einen Sockel gestellt, so fasziniert war er von der ästhetischen und haptischen Präsenz dieser Schnur-Plastiken Er entschied sich aber für die zweite Möglichkeit, nämlich selbst mit Seilen aller Art zu arbeiten.Holzbalken, Kästen, geeignete Fundstücke umwickelt Ecker mit Hanf- Jute- und Sisalschnüren in unterschiedlicher Stärke, fixiert sie mit Nägeln und Leim und überzieht sie mit Acryl­farbe in warmen Naturtönen, in dunklen Graumischungen aber auch in leuchtendem Rot und einem immer wieder aufstrahlendem Blau.Verschiedene Strukturen entstehen durch Material und Richtung der Wicklungen, Gegenzüge erzeugen Spannung, kompakte oder durchbrochene Gewebe entstehen, Unregel­mäßigkeiten wie aufgedröselte Schnüre, durch Farbe zu kleinen Spitzen und Haken fixiert, schaffen Lebendigkeit. Meist sind die Gebilde monochrom gefaßt, bisweilen zwei­farbig. Manchmal benetzt die Farbe nicht nur die Schnürungen sondern auch die durchschimmernde Unterlage, wodurch sich eine doppelte widerstreitende Musterung ergibt.Ein andermal trägt Ecker Farbe dick wie Schollen oder Schlieren auf.Ganz verschieden im Format, erscheinen die Objekte verschnürt wie Pakete, als flache Reliefs, als Stelen oder Plastiken.Er faßt die abstrakten Gebilde, die er schafft, unter dem allgemeinen Begriff "Wicklungen" zusammen.Dunkel vermummte dustere Gestalten, auf Beinstelzen, wie festgenagelt, nicht hörend, nicht sehend, stumm, wie mumifiziert, erfüllen sie gefühllos ihren Dienst. Seit sich seine Landschaften zu linear ge­gliederten Flächen wandelten, gehört sein Interesse der Linie, der reduzierten introvertierten Gestaltungsweise, der konkreten und minimalistischen Kunst. Daß seine Auseinander­setzung mit der Linie schließlich in Seilen ihr Material fand, ist naheliegend. Das diese Objekte daneben noch einen ganz anderen Hintergrund haben ist offensichtlich: eine archaische Anmutung geht von ihnen aus, Erinnerung an afrikanisches Kunsthandwerk, magische Figuren und Totems, werden wachgerufen. Die sogenannten Primitiven, die die Moderne beeinflußten und beflügelten, waren auch hier Anreger. Schon immer haben sich Künstler auf Anfänge zurückbesonnen, haben versucht rückschauend zu lernen um mehr vom eigenen Sein zu begreifen, aber kein anderes Jahr­hundert hat sich so wie das unsere - und besonders in der bildenden Kunst - mit den Ursprüngen, den Primitiven, dem vermeintlich Unverdorbenen befaßt.Die Flucht aus der Zivilisation, aus der Entfremdung, zum Vorbewußten und Unterbewußten, weist auf eine Suche nach einer natürlichen Geistigkeit, einer elementaren Vision, einer magischen Gegenwart.Die deutschen Expressionisten, die Fauvisten und Kubisten waren fasziniert von der Einfachheit der Formen und der magischen Ausstrahlung der Werke afrikanischer und ozeanischer Kulturen. Seitdem ist der Einfluß der Primitiven auf die zeitgenössische Kunst nicht mehr wegzudenken ! Wilhelm Worringer wies bereits 1908 in seinem epochalen Essay "Abstraktion und Einführung” darauf hin, daß neben dem Verlangen des Menschen sich mit der Natur zu identi­fizieren, ein Bedürfnis nach Abstraktion bestehe. Er stellte fest, daß jede primitive Kunst diesen Hang zur Abstraktion kenne, die aus der Angst des Menschen vor den unbegreiflichen Phänomenen der Welt entspringt. Daraus resultiert das Bestreben, ein Element der Außenwelt seiner zufälligen Erscheinungsform zu entreißen und es konstant zu machen, indem man ihm eine abstrakte Form gibt. Das dieser Antrieb auch zeitgenössischen Künstlern eigen ist, erscheint in unserer immer mehr entfremdeten Lebenswelt zwangsläufig.Normalerweise ist das Material nicht entscheidend für das Werk, sondern der Gestaltungswille des Künstlers. In diesem Falle aber trifft Ecker mit der Wahl von Schnüren und Seilen schon eine gestalterische Vorentscheidung, denn es handelt sich anders als bei Stein, Bronze oder Holz, sozusagen um ein "Halbfertigprodukt".So ist der lineare Aufbau seiner Reliefs per se gegeben. Damit einher geht die Vermittlung zeitlicher Abläufe, da das Auge gezwungen ist, den Linien, ihren Überschneidungen und Verknüpfungen zu folgen.Plastik als konstitutiv lineare Form ist erst eine Erfindung des 20 Jahrhundert. Wegweisend für diese Richtung der Plastik wurden  Naum Gabo und Antoine Pevsner, die graphische Figurationen von Raum und Bewegung schufen. Die lineare Abstraktion verbindet Ecker mit diesen Konstruktionen. Ganz anders aber das Ergebnis während dort lichtdurchflossene,raumgreifende Objekte entstanden, geht Ecker den Weg der Konzentration statt Konstruktion, meditatives Arbeiten vom Anfang zu einem Zielpunkt, Überarbeiten mit Farbschichten. Entwicklung Schritt für Schritt.Energie nicht in der Bewegung vermittelt sondern im straff gespannten Nebeneinander und Übereinander des Materials. In jüngster Zeit verwendet Ecker auch Metallschnüre und Kabel für seine Objekte.Diese Kabel begegnen Ihnen auch in anderer Form, nämlich als Gemälde, Werke aus den letzten beiden Jahren. Es handelt sich um Acrylfarbe auf mehrfach grundierter Leinwand. Elegant verschlungene Kabel werden in fotorealistischer Manier aber verschieden stark vergrößert,auf monochromem Hintergrund zum Schweben gebracht.Fast zum Greifen plastisch ausgearbeitet, räumlich erfaßt und doch wieder in der eigenen Form konzentriert, erinnern diese schattenlosen Gebilde ein bißchen an fliegende Untertassen, die lautlos ihre Bahn ziehen.So völlig anders diese Gemälde auf den ersten Blick er­scheinen, sie haben nicht den geringsten archaischen Ausdruck, so sind sie auf interpretatorischer Ebene den Plastiken doch ähnlich. Die Konzentration der Form, ein Zusammenballen, kein Auseinanderstreben, Energie ist in die Spannung der sich biegenden und verschlingenden Kabel und in die Vorstellung, daß es stromführendes Material ist, eingebunden. Was auffällt ist die Lockerung. Licht darf durchschimmern, wird in die Bündelung integriert, am stärksten bei den raumgreifenden blütenähnlichen Kabelknoten von 1999.So wie für den Betrachter das Schauen ein meditativer Vorgang sein kann, indem er mit den Blicken den Windungen der Wicklungen folgt, wie der Betende mit den Fingern der Gebetsschnur oder dem Rosenkranz, so ist für Ecker der Schaffensprozeß Selbsterkenntnis und Meditation.Für ihn ist der Weg tatsächlich das Ziel.So ist der genaue handwerkliche Herstellungsprozeß und das in sich geschlossene, manchmal fast abweisende Ergebnis, für ihn Ordnungsprinzip und Weg aus der Entfremdung in die persönliche Autonomie.                                                                                                                 Liane Thau, Würzburg 
Wicklung
Wicklung